Futuristisch erhebt sich die Konstruktion aus Stahl und Glas auf einer Wiese am Rande des
Dersumer Gewerbegebietes gen Himmel. Bei der Anlage handelt es sich um einen sogenannten Parabolrinnenkollektor, einen Solarspiegel, der das Sonnenlicht auffängt. In einem Firmengebäude wenige Hundert Meter entfernt sitzen die „Väter“ der Konstruktion. Sie
arbeiten für die Mirolux Anlagenbau GmbH, die vor einem Jahr in Dersum gegründet wurde.
Ziel des jungen Unternehmens ist die Entwicklung, Fertigung und Vermarktung besagter
Parabolrinnenkollektoren sowie solarthermischer Kraftwerke. „Die Solarspiegel konzentrieren das aufgefangene Sonnenlicht auf einen Mittelpunkt“, erklärt Mirolux-Geschäftsführer Ralf Jungebloed.

In dem Mittelpunkt, dem sogenannten Receiverrohr, fließt Wasser, das in der gebündelten
Sonnenhitze unter Druck bei bis zu 250 Grad Celsius verdampft. Mit dem unter Druck gesetzten Dampf wird eine Turbine angetrieben, die wiederum Elektrizität erzeugt – und zwar umwelt- und klimafreundlich, wie Jungebloed betont. Bis zum kommenden Jahr soll eine Pilotanlage im sonnenverwöhnten Andalusien (Spanien) errichtet werden. „Wir benötigen verlässliche direkte Sonneneinstrahlung“, sagt der Geschäftsführer. Als Standorte für solarthermische Kraftwerke kommen demnach zunächst der Mittelmeerraum (Südspanien, Italien, Griechenland, Nordafrika) sowie der Mittlere Osten infrage. Aber auch China und Indien seien Zukunftsmärkte für Solarthermie, betont Jungebloed. Sein Unternehmen konzentriert sich vorerst auf die Versorgung von Industriegebäuden, d.h. Anlagen im Bereich von 100 Kilowatt bis 10 Megawatt.

Das Feld wird aber auch von anderen Firmen beackert (wir berichteten). Die Dersumer entwickeln die Idee, die Sonne als Energieträger zu nutzen, nach eigenen Angaben jedoch weiter. „Wir setzen auf innovative Werkstoffe sowohl bei den Kollektoren als auch bei den Turbinen“, sagt Ralf Jungebloed. Dazu zählt beispielsweise kaltgebogenes Glas für die Kollektoren. Ziel sei es, die Investitionskosten zu senken und den Wirkungsgrad der Anlage erhöhen. Für die technische Entwicklung ist Diplomingenieur Lukas Kirscht verantwortlich. Kirscht entwickelt laut Jungebloed mit seinem Team eine Turbine mit einem Wirkungsgrad von „30 Prozent und höher“. Zum Vergleich: Fotovoltaikanlagen kommen dem Geschäftsführer zufolge auf 10 bis 15 Prozent, große solarthermische Anlagen in Spanien auf 19 Prozent. Neu sei auch, dass Wasser durch das Receiverrohr fließt. Konventionelle Anlagen arbeiteten mit Öl, so Jungebloed.

Dass die Emsländer mit ihrem Konzept auf dem richtigen Weg sind, zeigt ihr Erfolg beim
Gründungswettbewerb „Senkrechtstarter“ der Stadt Bochum. Unter insgesamt 339 Mitbewerbern aus ganz Deutschland zeichnete die Jury Mirolux im April für die beste Geschäftsidee aus. Belohnt wurde das „zukunftsweisende Projekt zur langfristigen Nutzung von Solar-energie“ nicht nur mit Platz eins, sondern auch mit 20000 Euro Preisgeld.
Auch wenn solarthermische Kraftwerke in unseren Breitengraden nicht infrage kommen, steht für Geschäftsführer Jungebloed fest, dass die Anlagen in Deutschland gebaut werden sollen. Wo, ist derzeit allerdings noch unklar. Laut Jungebloed laufen derzeit Gespräche mit Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Bis 2013 plant Mirolux Investitionen in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Das futuristische Konstrukt am Rande des Dersumer Gewerbegebietes bekommt indes unabhängig von der Standortfrage schon bald Gesellschaft. In diesem Sommer soll auf der Wiese zu Demonstrationszwecken ein weiterer voll funktionsfähiger Prototyp errichtet werden. Auch wenn die emsländische Sonne weniger Strahlkraft hat als die spanische.
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